Eine Reise durch mehr als drei Jahrhunderte Steenberg (1682 bis heute)

von Inès Keerl

Manchmal beginnt Geschichte nicht mit einem Paukenschlag,
sondern mit einer Frau, die bleibt.

1682 erhält Catharina Ustings Ras Land am Kap der Guten Hoffnung.
Kein repräsentatives Anwesen. Kein fertiges Weingut.
Sondern Erde. Wind. Unsicherheit.

Heute heißt dieser Ort Steenberg Farm.
Ein Fünf-Sterne-Hotel. Preisgekrönte Weine. Zwei ausgezeichnete Restaurants.
Und doch liegt unter all dem noch immer derselbe Boden.


1682 – Ein Anfang ohne Komfort

Die Farm, die später Steenberg genannt wird, trug ursprünglich den Namen „Swaaneweide“. Sie lag am Fuß des „steinernen Berges“ im Constantia-Tal.

Catharina kam nicht als Pionierin mit großem Plan.
Sie kam, weil sie musste.
Weil Europa ihr wenig ließ.
Weil Neuanfang manchmal weniger Wahl als Notwendigkeit ist.

Die Schenkung erfolgte durch Simon van der Stel, Gouverneur der Kapkolonie. Ein Dokument, das bis heute auf dem Anwesen verwahrt wird – und das mehr erzählt als nur Besitzverhältnisse. Es erzählt von Vertrauen. Von Risiko. Von einer Frau, die Land zugesprochen bekam in einer Zeit, in der Frauen selten als Eigentümerinnen gedacht wurden.

Wenn ich über Catharina schreibe, dann schreibe ich nicht über eine Legende.
Ich schreibe über eine Entscheidung.


Der Boden, der blieb

Heute umfasst das Estate rund 200 Hektar Land,
davon etwa 60 bis 75 Hektar mit Reben bepflanzt.

Hier wachsen unter anderem:

Das Constantia-Tal gilt als eine der ältesten Weinregionen der südlichen Hemisphäre. Das Klima ist kühler als in vielen anderen Teilen Südafrikas, geprägt von Meeresnähe und stetigem Wind.

Weinbau ist hier kein modisches Experiment.
Er ist Kontinuität.

Wenn man zwischen den Reben steht, wird spürbar, dass Zeit kein abstrakter Begriff ist. Sie liegt im Boden. In den Schichten. In dem, was gewachsen ist – und dem, was vergangen ist.


Steenberg heute

Aus der Farm ist ein Ort geworden, der Vergangenheit und Gegenwart selbstverständlich verbindet.

Das Hotel auf dem Anwesen ist ein Fünf-Sterne-Haus.
Weiß getünchte Gebäude, klare Linien, historische Mauern.

Im Tryn Restaurant wird gehobene südafrikanische Küche serviert.
Der Name „Tryn“ erinnert bewusst an Catharina – ein stiller Hinweis darauf, wem dieser Ort seinen Ursprung verdankt.

Im Bistro Sixteen82 sitzt man moderner, leichter. Ein Glas Sauvignon Blanc auf der Terrasse, Blick auf die Weinberge, das Licht des späten Nachmittags.

Es ist ein Ort, an dem man verweilt.
Und vielleicht beginnt man dort zu begreifen, welchen Weg dieses Land genommen hat.


Ein weiter Weg

Von 1682 bis heute sind mehr als drei Jahrhunderte vergangen.
Kolonialzeit. Konflikte. Machtverschiebungen.
Sklaverei. Abschaffung. Apartheid. Demokratie.

Steenberg hat all das überstanden.
Nicht unverändert – aber geblieben.

Und genau das interessiert mich als Autorin.
Nicht nur, was gegründet wurde.
Sondern was blieb.


Drei Frauen, drei Perspektiven

In meinen Romanen erzähle ich die Zeit, bevor aus Steenberg ein Weingut wurde, das man heute besucht.

Catharina steht nicht allein.

An ihrer Seite lebte eine junge Frau, die zwischen Kulturen vermittelte: Krotoa/Eva. Sie sprach die Sprache der Kolonisten und die ihrer eigenen Gemeinschaft. Sie war Brücke – und wurde zwischen den Welten zerrieben.

Und da war Amisha.
Eine Frau, die ihr Leben lang auf Notwehr plädierte.
Die aus der Sklaverei entlassen werden wollte.
Die um Anerkennung rang – in einem System, das ihr kaum Rechte zugestand.

Diese Frauen wussten nicht, dass sie Geschichte schrieben.
Sie wollten leben. Überleben. Handeln.

Doch ohne sie gäbe es diesen Ort nicht in der Form, in der wir ihn heute besuchen.


Geschichte atmet hier

Man kann Steenberg besuchen, um Wein zu probieren.
Oder um gut zu essen.
Oder um in einem der schönsten Täler der Kapregion zu übernachten.

Aber man kann auch kommen, um Geschichte zu spüren.

Vielleicht lässt man sich die alte Schenkungsurkunde zeigen.
Vielleicht geht man ein paar Schritte abseits der Terrasse in Richtung der alten Mauern.
Vielleicht bleibt man einen Moment länger stehen.

Ich empfinde Orte wie diesen nicht als touristische Kulisse.
Sondern als Erinnerungsschicht.


Meine Bücher als Prequel

Manchmal werde ich gefragt, warum ich so weit zurückgehe.
Warum ich das 17. Jahrhundert erzähle, wenn doch heute alles so greifbar ist.

Weil ich verstehen will, wie es begann.
Wie eine Frau aus Lübeck ans Kap kam.
Wie sie Land erhielt.
Wie Besitz, Macht, Abhängigkeit und Freiheit ineinandergriffen.

Meine Romane sind gewissermaßen das Prequel zu dem, was man heute auf Steenberg sieht.

Nicht, um Nostalgie zu erzeugen.
Sondern um zu zeigen, dass Wohlstand eine Vorgeschichte hat.
Dass Luxus auf Entscheidungen gründet.
Und dass Freiheit nie ohne Preis war.


Eine Reise wert

Steenberg ist eine Reise wert.
Nicht nur wegen des Weins.
Nicht nur wegen der Küche.

Sondern wegen seiner Tiefe.

Hier wurde nicht einfach ein Hotel gebaut.
Hier ist etwas gewachsen.

Und vielleicht sitzt man im Bistro Sixteen82, hebt sein Glas, blickt über die Reben –
und denkt einen Moment daran, dass alles mit einer Frau begann, die 1682 blieb.


Inès Keerl ist Autorin der Tafelberg Reihe

Starke Frauen im 17. Jahrhundert

Am Kap der Guten Hoffnung, im Schatten der VOC, behaupten sich drei Frauen in einer männerdominierten Welt – sie kämpfen um Freiheit und Selbstbestimmung.
Basierend auf wahren Begebenheiten erzähle sie ihre Geschichten:

🌿 Catharina Ustings – die Lübeckerin, die ein Weingut gründete, das bis heute existiert: Steenberg
🌿 Krotoa/Eva – die Urmutter des Afrikaans, zerrissen zwischen zwei Welten.
🌿 Amisha – die bengalische „Mörderin“, die ihr Leben lang für ihre Freiheit kämpfte.

Eine Romanreihe über Mut, Verlust, Sehnsucht – und Frauen, die Geschichte schrieben. 💛 Ach ja, Liebe spielt auch eine Rolle .

📖 Die Löwin vom Tafelberg – nominiert für den Goldenen Homer 2024
📖 Die Frauen vom Tafelberg – erschienen Herbst 2025

👉 Für alle, die historische Romane über starke Frauen lieben. 

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